Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 3 (1820) Ideen ; 1
Entstehung
Seite
189
Einzelbild herunterladen
 

der Geschichte der Menschheit. 169

S p r« cde. An dem, was nicht seufzen kann, neh-men wir weniger Tbcil, weil es ein lungcnloses,ein unvottkommnes Geschöpf ist, uns minder gleichorganisirt. Einige Taub - und Stummgeborne ha-ben entsetzliche Bcyspiele vom Mangel des Mitge-fühls und der Theilnehmung an Menschen undTkicrcn gegeben; und wir werden Key wilden Völ-kerschaften noch Proben genug davon bemerke». In-dessen auch bey ihnen noch ist das Gesetz der Naturnicht unverkennbar. Die Vetter, die, von Noth undHunger gezwungen, ihre Kinder dem Tode opfern,weiden sie im Mutterleib? demselben, ehe sie ihr Augegesehen , cbe sie ihre Stimme gehört haben, und man-che Kindcrmörderin bekannte, Laß ihr nichts so schwergeworden und so lange im Gcdächtniß geblieben sey,als der erste weinende Laut, die flehende Stimme desKindes.

4. Schön ist die Kette, an der die allsühlcndeMutter die Mitempfindungen ihrer Kinder halt, undsie von Gliede zu Glieds hinaufbildet. Wo das Ge-schöpf noch stumpf und roh ist, kaum für sich ;nsorgen, da ward ihm auch die Sorge für seine Kin-der nicht anvertmnct. Die Vögel brüten und er-ziehen ihre Jungen mit Mutterliebe; der sinnloseStrauß dagegen gibt seine Eher dem Sande. ,, Ecvergißt," sagt jenes alte Buch von ihm,daß eineKlaue sie zertrete, oder ein wildes Thier sie verderbe:denn Gott Kat ihm die Weisheit genommen, und hatihm keinen Verstand mitgetheilt. " Durch eine unddieselbe organische Ursache, dadurch das Geschöpfmehr Gehirn empfangt, empfangt es auch mehrWärme, qebirt Lebendige oder brütet sie aus, säugtund bekommt mütterliche Liebe. Das lebendig gebor-