schon im Augenblicke der Geburt ausgebildct: sie sindaber auch desto unvollkommncr und sterben destofrüher. Der Mensch muß am längsten lernen, weiler am meisten zu lernen hat, da bcy ihm alles aufeigen erlangte Fertigkeit, Vernunft und Kunst an-kommt. Würde nachher auch durch das unnennbareHeer der Zufalle und Gefahren-sein Leben abgekürzt:so hat er doch seine sorgenfreye lange Jugend ge-nossen, da mit seinem Körper und Geiste auch dieWelt um ihn her wuchs, da mit seinem langsamheraufsteigendcn, immer erweiterten Gesichtskreis auchder Kreis feiner Hoffnungen sich weiterte, und seinjugendlich-edles Herz in rascher Neugier, in unge-duldiger Schwärmern) für alles Große, Gute undSchöne immer heftiger schlagen lernte. Die BlüthedcS Geschlcchtstriebes entwickelt sich bey einem ge-sunden , ungerechten Menschen spater als bey irgendeinem Thicre: denn er soll lange leben und den edel-sten Saft seiner Seelen- und Leibeskräfte nicht zufrüh verschwenden. Das Jnsect, das der. Liebe frühdienet, stirbt auch früh: alle keusche cinpaarige Thier-geschlechter leben langer, als die- ohne Ehe leben.Der lüsterne Hahn stirbt bald: die treue Waldtaubekann 5» Jahre leben. Für den Liebling der Naturhienicdcn ist also auch die Ehe geordnet; und dieersten frischesten Jahre seines Lebens soll er gar alseine cingehüllete Knospe der Unschuld sich selbst leben.Es folgen darauf lange Jahre der männlichen undheitersten Kräfte, in denen seine Vernunft reift, diebei) dem Menschen, sogar mit den Zeugungskrafccn,in ein den Thieren unbekanntes hohes Alter hinaufgrünet; bis endlich der sanfte Tod kommt, und denfallenden Staub sowohl als den eingcschlossencn Geist
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