Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 3 (1820) Ideen ; 1
Entstehung
Seite
171
Einzelbild herunterladen
 

der Geschichte der Menschheit. >71

Frei,heit und menschlichen Sprache, «durch Kunst ge-bildet. Der Säugling wird an die Brust der Mut-ter über ihrem Herzen gelegt: die Frucht ihr Leibeswird der Zögling ihrer Arme. Seine feinsten Sinne,Auge und Ohr, erwachen zuerst und werden durchGestalten und Töne geleitet; wohl ihm, wenn sieglücklich geleitet werden. Allmählich entfaltet sichsein Gesicht, und hangt am Auge der Menschen umihn her, wie sein Ohr a» der Sprache der Men-schen hangt, und durch ihre Hülfe die ersten Be-griffe unterscheiden lernet. Und so lernt feine Handallmählich greifen; nun erst strcben seine Gliedernach eigner Ucbung. Er war zuerst ein Lehrling derzwei) feinsten Sinne: denn der künstliche Instinrt,der ihm angebildet werden soll, ist Vernunft,Humanität, menschliche Lebensweise, diekein Thier hat und lernet. Auch die gezähmtenThiere nehmen nur thicrisch einiges von Menschenan, aber sie werden nicht Menschen.

Hieraus erhellet, was menschliche Vernunft sey:ein NamH der in den neuern Schriften so oft alsein angcbornes Automat gebraucht wird, und alssolches nichts als Mißdeutung gibt. Theoretisch undpraktisch ist Vernunft nichts als etwas Vernom-menes, eine gelernte Proportion und Richtung derIdeen und Kräfte, zu welcher der Mensch nach sei-ner .Organisation und Lebensweise gebildet worden.Eine Vernunft der Engel kennen wir nicht: so we-nig als wir den inner» Zustand eines liefern Ge-schöpfs unter uns innig Ansehen; die Vernunft desMenschen ist menschlich. Von Kindheit auf ver-gleicht er Ideen und Eindrücke seiner zumal feinemSinne, nach der Feinheit und Wahrheit, in der ste