der Ge sc dichte der Menschheit. ilH
Das Kind im Mutterleibs scheint alle Anständedurchgehen zu müssen, die einem Erdgcschöpfe'pzu-kommcn können. Es schwimmt im Wasser, es liegtmit offnen Munde: sein Kiefer ist groß, ehe seineLippe ihn bedecken kann, die sich nur spät bildet;sobald es auf die Welt kommt, schnappt es nachLuft, und Saugen ist seine ungelernt- erste Verrich-tung. Das ganze Werk der Verdauung und Nah-rung, des Hungers und Durstes geht instinkttnaßigoder durch noch dunklere Triebe seincn Gang fort.Die Muskeln- und Aeugungskraste streben eben alfgzur Entwickelung, und ein Mensch darf nur durchAffekt oder Krankheit wahnsinnig seyn, so sieht manbey ihm alle thierischen Triebe. Noch und Gefahrentwickeln bey Menschen, ja bey ganzen Nationen,die animalisch leben, auch thierische Geschicklichkeiten,Sinne, und Kräfte.
Also sind dem Menschen die Triebe nicht sowohlgeraubt, als bey ihm unterdrückt, und unter dieHerrschaft der Nerven und der fcinern Sinne ge-ordnet. Obne sie könnte auch das Geschöpf, dasnoch großenthcils Thier ist, gar nicht leben.
Und wie werden sie unterdrückt? wie bringt dieNatur sie unter die Herrschaft der Nerven? Lassetuns ihren Gang von Kindheit auf betrachten; erzeigt uns das, was man oft so thöricht als mensch-liche Schwachheit bejammert hat, von einer ganzandern Seite.
Das menschliche Kind kommt schwächer auf dieWelt, als keins der Thiere: offenbar weil es zueiner Proportion gebildet ist, die im Muttcrleibenicht ausgebildet werden konnte. Das vierfüßigeTbier nahm in feiner Mutter vierfüßige Gestalt an,