164 Ideen zur Philosophie
nackte Fähigkeit, die durch sich selbst ewig todt ge-blieben wäre, wird durch die Sprache lebendigeKraft und Wirkung. Nur durch die Rede wirdAuge und Ohr, ja das Gefühl aller Sinne eins,und vereinigt sich durch sie zum schaffenden Gedan-ken, dem das Kunstwerk der Hände und andrerGlieder nur gehorchet. Das Beyspiel der Taub-und Stummgebvrnen zeigt, wie wenig der Menschauch mitten unter Menschen ohne Sprache zu Ideender Vernunft gelange, und in welcher thierischenWildheit alle seine Triebe bleiben. Er ahmt nach,was sein Auge sieht, Gutes und Böses; und erahmt es schlechter als der Affe nach, weil das in-nere Kriterium der Unterscheidung, ja selbst dieSympathie mit seinem Geschlecht ihm fehlet. Manhat Beyspicle *), daß ein Taub - und Srummgebor-ner seinen Bruder mordete, da er ein Schwein mor-den sah, und wühlte, blos der Nachahmung wegen,mit kalter Freude in den Eingewciden desselben: schreck-licher Beweis, wie wenig die gepriesene menschlicheVernunft und das Gefühl unsrer Gattung durchsich selbst vermöge. Man kann und muß alsodie feinen Sprachwerkzeuge als das Steuerruder uns-rer Vernunft, und die Rede als den Himmelsfunkenansehen, der unsre Sinnen und Gedanken allmahligin Flammen brachte.
H In Sacks vertheidigtem Glauben der Christen erin-nere ich mich, einen solcien Fall erzählt gefunden zuhaben ; mehrere dergleichen sind mir aus andern Schrif-ten erinnerlich.'