ii4 Ideen zur Philosophie
mehr oder weniger Empfindung? kommt auf dieNerven des Geschöpfs an; es gibt aber außer die-sen noch regsame Muskelkräfte und Fibern voll wach-senden und sich wieder hcrstellcndcn Pflanzenlcbens,welche zwey von den Nerven unabhängige Gattun-gen der Kräfte dem Geschöpf genugsam ersetzen,was ihm an Gehirn und Nerven abqeht.
Und so führet uns die Natur selbst auf dieKunsttricbe, die man vorzüglich einigen Iniccten zugeben gewohnt ist; aus keiner andern Ursache, alsweil uns ihr Kunstwerk enger ins Auge fällt, undwir dasselbe schon mit unfern Werken vergleichen.Ze mehr die Werkzeuge in einem Geschöpf zerlegtsind, je lebendiger und feiner seine Reitze wecdcir,desto weniger kann es uns fremd dünken, Wirkun-gen wahrzunehmcn, zu denen Thicre von gröbcrmBau und von einer stumpfern Reitzbarkcit einzelnerThcile nicht mehr tüchtig sind, und so viel andreVorzüge sie übrigens haben mögen. Eben die Klein-heit des Geschöpfs und seine Feinheit wirkte zurKunst; da diese nichts anders seyn kann, als dasResultat aller seiner Empfindungen, Thätigkeitcn,und Reitze.
Beyspiele werden auch hier das Beste siegen;und der treue Fleiß eines Swammerdamm,Reaumur, Lyon et, Rvsels u. a. haben unsdie Beyspiele aufs schönste vor's Auge gemahlet.Das Einspinnen der Raupe, was ist's anders, alswas so viel andre Geschöpfe unkünstlicher thun, in-dem sie sich hauten. Die Schlange wirft ihre Hautab, der Vogel seine Federn, viele Landrhiere andernihre Haare: sie verjüngen sich damit, und erstattenibre Kräfte. Die Raupe verjüngt sich auch, nur