76 Ideen zur Philosophie
4. Der Mensch endlich scheint unter den Erd-thieren dciS feine Mittelgeschöpf zu seyn, in dem sich,so viel es die Cinzelnheit seiner Bestimmung zuließ,die meisten und feinsten Strahlen ihm ähnlicher Ge-stalten samnuln. Astes in gleichem Maas konnte ernicht in sich fassen: er mußte also diesem Geschöpfan Feinheit eines Sinns, jenem an Muskelkraft,einem dritten an Elasticität der Fibern nachstehendso viel sich aber vereinigen ließ, ward in ihm ver-einigt. Mit allen Landlhiercn hat er Theile, Triebe,Sinnen, Fähigkeiten, Künste gemein; wo nichtererbet, so doch erlernt; wo nicht ausgebildet, sodoch in der Anlage. Man könnte, wenn man dieihm nahen Thierarten mit ihm vergleicht, beynaheknbn werden zu sagen: sie seyen gebrochene und durchkatoptrische Spiegel auseinander geworfene Strah-len seines BildcS. Und so können wir den viertenSatz annekmen: daß der Mensch ein Mit-
te l g e sc h ö p f u n t c r den Th irren, d. i. dieansgearbeitete Form ssy, in der sichdie Züge aller Gattungen um ihn her imfeinsten Inbegriff sammeln.
Ich hoffe nicht, daß die Ähnlichkeit, auf dieich zwischen Menschen und Thiercn zeige, mit jenenSpielen der Einbildung werde verwechselt werden,da man bey Pflanzen und sogar bcy Steinen äußereGlieder des menschlichen Körpers aufhaschte, unddarauf Systeme baute. Jeder Vernünftige belachtdiese Spiele, da gerade mit der äußern Gestalt diebildende Natur innre Ähnlichkeiten des Baues ver-deckte und verlarme. Wie manche Thiere, die unsvon außen so unähnlich scheinen, sind uns im In-nern, im Knochenbau, in den vornehmsten Lebens-