66 Ideen zur Philosophie
III.
Das Reich der Thiere in Beziehung auf dieMenschengeschichte.
<ä»)er Menschen ältere Brüder sind die Thiere. Ehejene da waren, waren diese: und auch in jedem ein-zelnen Lande fanden die Ankömmlinge des Menschen-geschlechts die Gegend, wenigstens in einigen Ele-menten, schon besetzt: denn wovon sollte außer den
Pflanzen sonst der Ankömmling leben? Jede Ge-schichte des Menschen also, die ihn außer diesem Ber-hältniß betrachtet, muß mangelhaft und «inseitig»verden. Frcylich ist die Erde dem Menschen gege-ben; aber nicht ihm allein, nicht ihm zuvörderst; injedem Element inachten ihm die Thiere seine Allein-herrschaft streitig. Dies Geschlecht inußte er zah-men, mit jenem lange kämpfen. Einige entronnenseiner Herrschaft: mit andern lebet er in ewigem
Krieg. Kurz, so viel Geschicklichkeit, Klugheit, Herzund Macht jede Art äußerte, so weit nahm sie Besitzauf der Erde.
Es gehört also noch nicht hieher, ob der MenschVernunft, und ob die Thiere keine Vernunft haben?Haben sie diese nicht, so besitzen sie etwas anders zuihrem Vvrtheil: denn gewiß hat die Natur keinesihrer Kinder verwahrloset. Verließe Sie ein Geschöpf,wer wollte sich sein annehmcn: da die ganze Schö-pfung in einem Kriege ist, und die^cntgegcngesctztc-sten Kräfte einander so nahe liegen. Der Gott glei-