Ideen zur Philosophie
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Haltung der Geschleckter. Die Natur brauchtKeime, sie braucht unendlich viel Keime, weil sienach ihrem großen Gang tausend Zwecke auf einmalbefördert. Sie mußte also auch auf Verlust rech-nen, weil alles zusammengedrangt ist, und nichtseine Stelle findet, sich ganz auszuwickeln. Aber da-mit ihr bey dieser scheinbaren Verschwendung den-noch das Wesentliche und die erste Frische der Le-benskraft nimmer fehlte, mit der sie allen Fallen undUnfällen im Laus so zusammen gedrängter WesenVorkommen mußte: machte sie die Zeit der Liebe zurZeit der Jugend, und zündete ihre Flammen mitdem feinsten und wirksamsten Feuer an, das siezwischen Himmel und Erde finden konnte. Unbe-kannte Triebe erwachen, von denen die Kindheit nichtswußte. Das Auge des Jünglings belebt sich, seineStimme sinkt, die Wange des Mädchens färbt sich:zwey Geschöpfe verlangen nach einander, und wissennicht, was sie verlangen: sie schmachten nach Eini-gung, die ihnen doch die zertrennende Natur ver-sagt bat, und schwimmen in eimm Meer der Täu-schung. Süßgctäuschte Geschöpfe, genießet eurerZeit; wisset aber, daß ihr damit nicht eure kleinenTräume ^ sondern, angenehm gezwungen, die größcsteAussicht der Natur befördert. Im ersten PaarEiner Gattung wollte sie sie alle, Geschlechter aufGeschlechter, pflanzen; sie wählte also fortsprießendeKeime aus den frischesten Augenblicken des Lebens,des Wohlgefallens an einander: und indem sie einemlebendigen Wesen etwas von seinem Daseyn raubt,wollte sie cs ihm wenigstens auf die sanfteste Artrauben. Sobald sie das Geschlecht 'gesichert hat,laßt sie aUmahlig das Individuum sinken. Kaum