Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 3 (1820) Ideen ; 1
Entstehung
Seite
56
Einzelbild herunterladen
 

56

Ideen zur Philosophie

Pflanze Aufschluß erhalt, ja denen er beonah widerWillen mit seinen stärksten Trieben dient. Solange der Mensch wachst, und der Saft in ihmgrünet: wie weit und fröhlich dünkt ihm die Welt!Er streckt seine Aestc umher, und glaubt zum Him-mel zu wachsen. So lockt die Natur ihn in'sLeben hinein, bis er sich mit raschen Kräften, mituncrmüdeter Thätigkeit alle die Fertigkeiten erwarb,die sie auf dem Felde oder Gartenbeet, auf den sieihn gesetzt hat, diesmal an ihm ausbilden wollte.Nachdem er ihre Zwecke erreicht hat, verlaßt sie ilmallmahlig. In der Blüthenzeit des Frühlings undunsrer Jugend, mit welchen Reichthümcrn ist allent-halben die Natur beladen! man glaubt, sie wollemit dieser Blumcnwelt eine neue Schöpfung besa-men. Einige Monate nachher, wie ist alles so an-ders ! Die meisten Blütken sind abgefallcn; we-nige dürre Früchte gedeihen. Mit Mühe und Ar-beit des Baumes reisen sie; und sogleich gehen dieBlatter ans Verwelken. Der Baum schüttet seinmattes Haar den geliebten Kindern, die ihn verlas-sen haben, nach: entblättert steht er da; der Sturmraubt ihm seine dürren Aeste, bis er endlich ganzzu Boden sinket, und sich das wenige Brennbare inihm zur Seele der Natur auflöset. Jst's mitdem Menschen, als Pflanze betrachtet, anders?Welche Unermcßlichkcit von Hoffnungen, Aussich-ten , Wirkungstrieben füllt dunkel oder lebhaft seinejugendliche Seele! Alles trauet er sich zu; und ebenweil cr's sich zutraut, gclingt's ihm: denn das

Glück ist die Braut der Jugend. Wenige Jahreweiter: und es verändert sich alles um ihn, blosweil Er sich verändert. Das Wenigste bat er aus-