Vorrede.
IX
ken hervorlocken wollte. Dieses ist der schönsteWerrh der Schriflstellercy, und ein gutgesinnterMensch wird sich vielmehr über das freuen, waser erweckte, als was er sagte. Wer daran denkt,wie gelegen ihm selbst zuweilen dieses oder jenesBuch, ja auch nur dieser oder jener Gedankeeines Buchs kam, welche Freude es ihm ver-schaffte, einen andern von ihm entfernten unddoch in seiner Thäligkeit ihm nahen Geist aufseiner eignen oder bessern Spur zu finden, wieunS oft Ein solcher Gedanke Jahre lang beschäf-tiget und weiter führet: der wird einen Schrift-steller, der zu ihm spricht, und ihm sein Inne-res mittheilet, nicht als einen Lohndiener, son-dern alS einey Frermd betrachten, der auch mitunvollendeten Gedanken zutraulich hervortritt,damit der erfahrnere Leser mit ihm denke, und seinUnvollkommnes der Vollkommenheit näher führe.
Ley einem Thema, wie das meinige: „Ge-schichte der Menschheit, Philosophieihrer Geschichte" ist, wie ich glaube, einesolche Humanität des Lesers eine angeneh-me und erste Pflicht. Der da schrieb, war Mensch,und du bist Mensch, der du liesest. Er konnteirren, und hat vielleicht geirret; du hast Kennt-nisse, die jener nicht hat und haben konnte; ge-brauche also, was du kannst, und siche seinenguten Willen an; laß es aber nicht bey demTadel, sondern bessere und baue weiter. Mitschwacher Hand legte er einige Grundsteine zueinem Gebäude, das nur Jahrhunderte vollfüh-