260 IV. Auch eine Philosophie
tung von einer Seite, von einer andern Män-gel haben, Ausnahmen machen, Wider-sprüche und Ungewißheiten zeigen, die inErstaunen setzen; aber niemand, als der sein idea-le sch es Schattenbild von Tugend aus demEompendium seines Jahrhunderts mirbringt, undPhilosophie genug hat, um auf einem Erdcnfleckdie ganze Erde finden zu wollen, sonst keinen l Fürjeden, der das menschliche Herz aus dem Elemen-te seiner L e b en sum stän de erkennen will,sind dergleichen Ausnahmen und Widersprü-che vollkommen menschlich: Proportion
von Kräften und Neigungen zu einem ge-wissen Zwecke, der ohne jene nimmer erreichtwerden konnte: also gar keine Ausnahmen, son-dern Regel.
Seps, mein Freund, daß jene kindliche ort-en t a l i sc h e Religion, jene Anhang! i ch-keit an das weichste Ge fühl des menschlichen Le-bens auf der andern Seite Schwachen gebe, diedu nach dem Muster andrer Zeiten verdammest.Ein Patriarch kann kein Römischer Held, keinGriechischer Wettläufer, kein Kaufmannvon der Küste seyn; und eben so wenig, wozu ihndas Ideal deines Katheders, oder deiner Laune hin-aufschraubte, um ihn falsch zu loben, oderb i tter z u de r dam m en. Seys, daß er nachspäter» Vorbildern dir furchtsam, todt scheu,weichlich, unwissend, müßig, abergläu-big, wenn du Galle im Auge hast, abscheulichvorkäme: er ist, wozu ihn Gott, Klima, Zeitund Stufe des Weltaitcrs bilden konnte, Pa tri-