Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 2 (1820) Propyläen der Geschichte der Menschheit
Entstehung
Seite
195
Einzelbild herunterladen
 

III. Tithon und Aurora. tgj,

aufrecht stehen und sich wieder erholen. Ein Blitz-strahl vom Himmel hal bis zur Wurzel hinab dieEiche getroffen und ihrer Lebenskraft beraubet. Die-sem Manne von vielen Fähigkeiten fehlteeS an einer weiten Brust, den Neid zu verachtenund bessere Zeiten zu erwarten; er ließ sich mit ihmin einen Kampf ein; der fliegende Adler ward vonder Otter, die ihn umschlungen hatte, Unwürdigbesieget. Jenem Manne von redlicher Thätig-keit fehlte es an Verstände; seine verschlagenemFeinde machten ihn bald unkräftig und elend. Sogiengs Mit zehen andern Charakteren in andernSituationen; ans Theater des bürgerlichen Lebensist gewöhnlich ein Hospital gebaut, in welches sichnach und nach die Mehresten der Schauspieler ver-lieren.

Zwey Dinge tragen insonderheit hiezu bey,und auch sie sind Extreme. Zuerst Willkühr der ge-biethenden Großen; sodann zu feine Zärtlichkeit undSorgfalt. Bey jenen sinds bekannte und beliebteSprüche , daß nichts so beschwerlich sey, als Dank-barkeit, nichts so unerträglich, als fortgesetzte Hoch-achtung , und der tägliche Anblick eines anerkann-ten Verdienstes. Neue Huld erwirbt sich also NeueDankbarkeit; und Geschöpfe, die Man sich selbstzuziehet, ja, in die man Gaben und Verdienstelegt, die ihnen die Götter nicht zugetheilt halten,sind eine reihende eigene Schöpfung. Dett altenBaumen mag also ihr Saft entzogen werden, da-mit die junge Welt blühe und wuchere. Wer nunin solchen Fällen nicht größer ist, als der, von demer abhängt, der stirbt in sich am Unmuth derSelbst-

N s