I. „Je alter und ursprünglicher die Sprachen„sinddesto mehr wird diese Analogie der Sin-„ne in ihren Wurzeln merklich!"
Wenn wir in spätern Sprachen den Zornschon als Phänomenen des Gesichts, oder als Ab-straktum in den Wurzeln charakterisiren: z. B. durchdas Funkeln der Augen, das Glühen der Wangenu. s w., und ihn also nur seben oder denken: sohöret ihn der Morgenlander. Er höret ihn schnau-ben, höret ihn brennenden Rauch und stürmendeFunken sprühen. Das ward Nähme des Worts,die Nase Sitz des Zornes; das ganze Geschlecht derZornwörtcr und Zorn-Metaphern schnauben gleich-sam ihren Ursprung.
Wenn uns das Leben sich durch Pulsschlag,durchs Wallen und andere feine Merkmahlc auchin der Sprache äußert: so offenbarte es sich jenemlautathmend. Der Mensch lebte, da er hauchte;starb, da er aushauchte: und man Hort die Wur-zel des Worts, wie den ersten belebten Adam,hauchen.
Wenn wir das Gebaren nach unsrer Artcharakterisiren: so hört jener auch in den Benennun-gen Geschrey der Mutlerangst, oder bey Thierendas Ausschütteln eines Fruchtschlauches: um dieseMittel-Idee winden sich seine Bilder.
Wenn wir im Wort Morgenröthe etwadas Schöne, Glänzende, Frische, dunkel hören:so fühlt der harrend« Wandrer im Orient auch inder Wurzel des Worts den ersten, schnellen, er-