über den Ursprung der Spruche. 67
Wie aus Tönen, vom Verstände zu Merk-mahlen geprägt, Worte wurden, war sehr begreif-lich; aber nicht alle Gegenstände tönen;woher nun für diese sinnliche Merkworte, bey de-nen die Seele sie nenne? woher dem Menschen dieKunst, was nicht Schall ist, in Schall zu verwan-deln? Was hat die Farbe, die Rundheit, mit demNahmen gemein, der aus ihr so natürlich entstehe,wie der Nähme Blöcken aus dem Schaafe? DieVertbeidiger des übernatürlichen Ursprunges der Spra-che wissen hier sogleich Rath. „Willkührlich! sagen„sie; wer kanns begreifen und im Verstände Got-„tes nachsuchen, warum grün, grün und nicht blau„heiße? Ohne Zweifel hats ihm so beliebt!" unddamit ist der Faden abgeschnitten. Alle Philosophieüber die Ersindungskunst der Sprache schwebt alsowillkührlich in den Wolke», und für uns ist jedesWort eine t)ualitas oaaultu. Ich muß aestchen,daß ich in diesem Falle das Wort willkührlich nichtbegreife. Eine Sprache willkührlich und ohne allenGrund der Wahl aus dem Gehirne zu erfinden, istwenigstens für eine menschliche Seele, die zu Allemeineil, wenn auch nur einigen, Grund haben will,solch eine Quaal, als für den Körper sich zu Todestreicheln zu lassen. Bey einem rohen, sinnlichenNaturmenschen überdem, dessen Kräfte noch nichtfein genug sind, um ins Unnütze Hinzuspiele», der,ungeübt und stark, nichts ohne dringende Ursachelhut, und nichts vergebens thun will, bey dem istdie Erfindung einer Sprache aus schaler leerer Will-kühr der ganzen Analogie seiner Natur entgegen;und es ist überhaupt der ganzen Analogie aller
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