Druckschrift 
Zur Philosophie und Geschichte Theil 2 (1820) Propyläen der Geschichte der Menschheit
Entstehung
Seite
65
Einzelbild herunterladen
 

über den Ursprung der Sprache.

65

angenehm als Petrarchs Gesang an seine Laura.So wenig also die Nachtigall singt, um den Men-schen, wie man sich einbildet, vorzusingen: so we-nig wird der Mensch sich dadurch je Sprache erfin-den wollen, daß er der Nachtigall nachlrillcrt.

War die erste Sprache des Menschen Gesang:so wars Gesang, der ihm so natürlich, seinen Or-ganen und Naturtrieben so angemessen war, alsder Nachtigallengesang ihr selbst, die gleichsam eineschwebende Kehle ist; und das war ebi'.i unsere tö-nende Sprache. Eondillac, Rousseau undandere sind hier sehr auf den Weg gekommen, indem sie die Prosodie und den Gesang der ältestenSprachen vom Laut der Empfindung herleiten: dennohne Zweifel belebte die Empfindung jene erstenTöne und erhob sie. So wie aber aus den blo-ßen Tönen der Empfindung nie eine menschlicheSprache entstehen konnte, die dieser Gesang dochwar; so fehlt noch etwas, ihn hervor zu bringen:und das war eben die Nahmennennung eines jedenGeschöpfs nach seiner Sprache. Da sang und tön-te also die ganze Natur dem Menschen vor: und

der Gesang des Menschen ward ein Concert allerdieser Stimmen, so fern sie sein Verstand brauch-te, seine Empfindung faßte, seine Organe sie aus-drücken konnten. Es ward Gesang, aber wederNachtigallenlied, noch Leibnitzens musikalischeSprache, noch ein bloßes Empsindungsgeschrey derThiere: Ausdruck der Sprache aller Geschöpfe, in-nerhalb der natürlichen Tonleiter der menschlichenStimme.

Philos. und Gesch. II. Th. E ^,-o^/e-n.