4 °
I. Preisschrift
also auch nie in den Fall, einem andern Geschöpfdiese Idee zu geben, und also dies Merkmahl derBesinnung ihm mit den Lippen vorblöckcn zu wollenoder zu können; seine Seele hat gleichsam in ihremInwendigen geblöckt, da sie diesen Schall zum Er-innerungszeichen wählte, und wieder geblöckt, da sieihn daran erkannte — die Sprache ist erfunden!eben so natürlich und dem Menschen nothwendig er-funden, als der Mensch ein Mensch war.
Die meisten, die über den Ursprung der Spra-che geschrieben, haben ihn nicht hier auf dem einzi-gen Puncte gesucht, wo er, meiner Meynung nach,gefunden werden konnte; und vielen haben also soviel dunkle Zweifel vorgeschwebt, ob er irgendwo i-nder menschlichen Seele zu finden sey? Man hat ihnin der bessern Articulation der Sprachwerk-zeuge gesucht; als ob je ein Drang-Outang miteben den Werkzeugen eine Sprache erfunden hatte?Man hat ihn in den Schallen der Leiden-schaft gesucht; als ob nicht alle Thiere diese Schällebesaßen, und irgend Ein Thier aus ihnen Spracheerfunden hatte? Man hat ein Principium angenom-men, die Natur und also auch ihre Schalle nach-zuahme»; als wenn sich bey einer solchen blindenNeigung was gedenken ließe? Und als ob der Affemit eben dieser Neigung, die Amsel, die die Schalleso gut nachaffen kann, eine Spruche erfunden hat-ten? Die meisten endlich haben eine bloße Con-vention, einen Einvertrag angenommen, und da-gegen hat Rousseau am stärksten geredet; dennwas ists auch für ein dunkles, verwickeltes Wort,rin natürlicher Einvertrag zur Sprache? Diese so