Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 12 (1829) Christliche Schriften ; 2
Entstehung
Seite
424
Einzelbild herunterladen
 

424

Von Religion,

Wohin diese Pflicht und Macht gediehen ist,zeigen unsre Beichtstühle. *) Aufs frechste spottenihrer die, die sie befördert und eine so niedrigeFormular-Bettelei als Nothbchelf veranlaßt haben.Wahrscheinlich wird in ihnen, da sie etwas enge

sind,

*) Unter allen mir bekannten Schriftstellern hat vonder Macht des brüderlichen, ihm sogenanntenAblasses niemand stärker und menschlicher ge-sprochen als Luther; Er, der dieses Zuspruchsselbst oft bedurfte. Die Stellen darüber in seinenSchriften sind das Bündigste, was über dieseInstitution Christi gesagt werden kann. Trotz allererfolgten Mißbrauche, wer ist, der nicht dengroßen menschlichen Sinn des Stifters, auch indieser Einsetzung, erkenne, beider, ohne Ge-danken an Priester, Bildung eines richti-gen moralischen Gemeinsinnes unstrc i-tig die Absicht war. Was macht das menschlicheGeschlecht einander unerträglicher, als Mangeldieses Sinnes oder seine Verkehrtheit und Stumpf-heit? Was entfernt die Menschen mehr von ein-ander als Mangel des Zutrauens, verhaltenerGroll, geheime Feindschaft? Was macht sielasterhafter und stupider, als ein verstockter,verschlossener Sinn? Gegenseitige Eröffnung desHerzens, Rathbcfragung und Rathertheilungbindet und löset die Gewissen wirklich. Wermir einen Zweifel, eine Beklemmung entnimmt,ist moralisch mein Gott auf Erden»