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Religion und Theologie Theil 12 (1829) Christliche Schriften ; 2
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400
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Bon Religion,

wahrhaft Religion ist. Bewundernd schauen wir indie unermeßliche Himmelslcere oder in den uner-gründlichen Abgrund, wundernd, daß Jene so hoch,dieser so tief ist, und sehen nichts.

14.

Man hat diesen Zustand Erbauung, An-dacht, Entzückung genannt; wie oft mißbrauchtman auch diese Namen! Andacht heißt, wennich mit Anwendung meiner Seelcnkrafte, sie innigstzusammengcnommcn, a n etwas denke; dieser Zu-stand ist oder wird Religion, wenn er mich vordem Ailsehendcn zur Beherzigung rein menschlicherWahrheit und zu genauer Erfüllung meiner Pflichtführet. *) Erbauen kann mich nichts, als wasmich mit andern in guten Grundsätzen befestigt,denen gemäß ich wirklich Religion zu erweisen habe;

sie

*) Man sagt:ich will bas Buch recht andächtiglesen" d. i- mit stiller Aufmerksamkeit, in derreinsten Gemüthsfaffung, gleichsam mit concen-trirtem Andenken. Dies ist der wahre Gebrauchdes Worts; die gewöhnliche Kirchcnandacht da-gegen sagt:ich will jetzt andächtig scyn, d. i.an nichts denken, damit ein fremder Geist in mirwirke." Ein Geschäft andächtig thun, kannnichts anders heißen, als: es mit ganzer Auf-merksamkeit thun. In "der Kirchensprache dagegenheißt:einer Handlung andächtig beiwohnenihrmit leerem Gesicht und Gemüth beiwohnen." Sosehr ist aus bekannten Ursachen, in dieser Sprachealles erschlafft und verderbet.