Druckschrift 
Religion und Theologie Theil 12 (1829) Christliche Schriften ; 2
Entstehung
Seite
355
Einzelbild herunterladen
 

L eh r m ei n u ng en und Gebräuchen. 355

ihre erste rohe scholastische Form erhielt; ein Palastvon Stückwerken , zu dem tausend Jahre zusammen-getragen hartem, den aber der Evnuch Abalardzu erschaffen wagte.

4-

Und weder Christus noch Paulus; der arabi-sirte und latinisiere Aristoteles war dieses BauesMeister. Den Zusammenhang, den dieser großeDenker fast über jede Classe von Kenntnissen desmenschlichen Verstandes verbreitet hatte, wollte manauch über Glaubenswahrheiten verbreiten; ein ansich untadelhafier Gedanke, wenn er recht gefaßtward, und damals ausgeführt werden konnte. Dennwarum sollte der menschliche Verstand, der überalles urtheilt, nicht auch über diese Wahrheitenurtheilen, sie aus dem Chaos rhetorischer odermystischer Worte reißen, mithin bestimmen, son-dern , ordnen ?

5.

Leider aber fehlte den Scholastikern hiezu zwarnicht das Fundbuch: (denn sie befassen die Bibel;)wohl aber das Mittel, dies Buch zu verstehen, dieFreiheit, cs auszulegen und anzuwenden. OhneKenntniß der Zeitsprache jener alten Schriften, dieman hinter einer dicken Wolke der Aussprüche undDecrete voriger Zeiten wie durch ein gefärbtes Glasansah, bewiesen sie selten aus der Schrift sondernaus Kirchenvätern und Con eilten ihreseynsollenden Lehren, die sie dem herrschenden For-mular- und Ceremonien-Jnstitut ihrer Zeiten weder

3 2