Lehrmeinungcn und Gebrauchen. 335
thut ihr da?" so sagt: „cs ist das Denkmal uns.rer Befreiung, das eben, als Er von uns ging,in den Tod ging, uns unser Retter einsetzte. Dennweissagend sprach er also: „das ist — u. f." Erstarb; sein Blut floß unschuldig wie des Osterlam-mes , aber auch so Heilbringend, so glücklich. Sün-den nahm er hinweg, wie Jenes; selbst die Un-dankbarkeit seiner Nation, die ihn grausam verwarf,verzieherund schuf eine neue Zeit, durchstreichenddie alte. *) Dies Brod der Trübsal, dieser Kelchder Freude sind seiner großen, seiner voraussehen-den Denkart Gedächtnißsymbole."
*) Der Ausdruck „Vergebung der Sünde" war denEbraern Idiotismus, in tausend Fest- und Opfer-gebrauchen gegeben. Eben an diesem Fest hattedas Blut eines Lammes, Schuldlos vergossen,der Nation Verschonung (Pesach, Passah, derName des Festes) Rettung, Befreiunggewirkt: so sollte dieser Tod rettend, befreiend,verschonend seyn, hinwegnehmend alte Grauetund Frevel. An Opfergebräuche gewohnt, be-trachtete man den Tod nicht anders als Sün-de n-Sold: „Mein Tod sei meine Versöh-nung!" belete der sterbende Ebraer. DiesesHeiligen Tod war Versöhnung nicht eigner, son-dern fremder Vergehungen. Alle, auch seinerFeinde Frevel wollte er hinweg nehmen, um eineneue Zeit den Menschen zu bringen. — Groß-müthig-edel! Erhaben über den Verrather wieüber seine Mörder, über die ganze Generation,über die Schmach des Todes selbst, die der Schei-dende dennoch auch fühlte und symbolisirte.