3rn
Bon Religion,
H.,
^Die Christenheit nach Christus Sinn glaubt eineVergebung und hat hierin nicht nur das Gebotihres Herren, sondern das Bcdürfniß der Mensch-heit selbst für sich. Möge es nothwendig gewesenseyn, daß in jenen harten Zeiten die Gesellschaft derBekenner sich enge zusammen schloß und mit schär-feren Gesetzen verwahrte; da aber eine Christen-gesellschaft und die geistige Christengemeinezwei sehr verschiedene Dinge sind: so muß schondie Ueberzeugung : „ich bin ein Mensch; kein Fehlender Menschheit ist mir fremde" Vergebung mensch-licher Fehler hoffen und gebieten. Denn wer würdeohne diese Hoffnung nicht trostlos? Wer ist nichtgefallen? wer darf sagen: daß er nie fallen werde?Und ward nicht eben durch die Rückkehr von Fehlerndie reinere Gemüthsart mit größerer Festigkeit oftbewirket? Keine Läuterung ist so scharf, als dasFegefeuer begangener Fehler; sie strafen, lehren mehrals eine Gemeine je strafen und lehren könnte.
26.
Die letzten Worte des Symbolums : „ich glaubeeine Auferstehung und ein ewiges Leben" sind ihremUrsprünge nach eine Reliquie jener alten Hoffnung,La die Christen bei der Wiederkunft ihres Herren«inen Genuß unzerstörbarer Freuden mit ihmhofften. Diese Erwartung, (eine jüdische Meinung,die ins Christenthum überging, und in ihm einegeistige Sache sinnlich vorstellte,) war der damaligenZeit vielleicht unentbehrlich: denn fast glauben wirSnicht, wie sinnlich vor Jahrhunderten, geschweigeJahrtausenden, ganze Völker dachten. Einen Christen,
der,