14^ Vom Geist des C h rist c n t h u m s.
endlose Frage. Wunder sind für den Gläubigenda ; so lange Wunderglaube von Seiten des Thatersund Empfängers da ist, wird man Wunder thunund Wunder erfahren. Die Wunder deS erstenChristenthums stehen auf ihrem eigenen Grunde;daß man nachher viele Jahrhunderte hin dergleichengeglaubt habe, ist unläugbar; ob in jedem Fallemit Fug und Recht? darüber können und dürfenwir nicht entscheiden. Manchen Erzählungen spätererZeiten flehet man den Betrug an; leichtgläubigeErzähler können überhaupt nur von Dem Glaubenerwarten, der ihnen solchen freiwillig schenket. Diemeisten dieser spateren Begebenheiten sind ungewißund werden cs bleiben; wozu dürften sie aber auchuns gewiß werden? Jene Jahrhunderte sind vor-über und nach unserer Denkart dürfen wir sie nichtrichten. Was wir Spuren der göttlichen Vor-sehung nennen , nannten jene Zeiten oft Wunder;wer ist, der darüber spotten, der einem zutrauendenGemüth ausreden wollte, daß die Gottheit hier seinZutrauen belohnt, dort sein Gebet erhört habe?In diesem Verstände werden Wunder geschehen, solange Menschen an eine Vorsehung, die über siewacht, und eine Echörung des Gebets glauben.
9 -
Anders aber ists mit dem thra soni sehenWunderglauben, d. i. mit der trotzigen Her-ausfoderung Gottes zu Wundern. Sie ist Anmaa-ßung und schwache Thorheit. „Verkehrtes,wundersüchtiges Geschlecht, sagt Christus,wie lange soll ich dich tragen und dul-den?" — „Gebet mir auch die Macht,