am ersten christlichen Pfingstfest^
Tag seyn; eS erinnert mich an den letztengroßen Zweck aller menschlichen Gesell«schüft. Im Geist, d. i. in Liebe und Wahrheitsollen wir alle Eins seyn und Eins werden: dennes giebt keine besondre Parther. und Elamiter-,keine Kreter-und Arabcrwahrheit. Hiezu haben wirnur ein Mittel, Zunge, Sprache: sie vereinigtdie Gcmülher, da Waffen und Politik sie von ein-ander trennen und reiffen. Nur Begeisterungthut dies allein nicht; sondern Auslegung, brü-derliche Anrede und Verständigung. Sieunterdrücket den Spott, belehrt die nutzlose Ver-wunderung , und schafft Uebcrzeuguug, Theilneh»mung, gemeinschaftliche Thäligkeit und Freude. DieZunge verbindet alles; der Geist, der die Gemütherdurchdringt, der allvereinigende Geist ist allein derGeist der Wahrheit. Dies ist meine Glossezur Epistel des ersten Psingsttages. *)
*) Jene Ausdrücke der alten Hymnen, da der Geisteine Gabe des Höchsten, der Finger Got-tes, d. i. die bildende Kraft der Wahrheit inden Gemüthern der Menschen, Leben, Licht,der Erneuer, Reger, Beselig er derMenschheit, der Vereinigen der Völ-ker, der Versammler der Sprachen u.f. genannt wird, sind mir also erfreulich; ichwünschte nicht, daß sie aus der Christenheit beiSeite gebracht würden: denn sie enthalten denersten, wesentlichen Ausdruck der Gaben des Gei-stes. Was späterhin die Spekulation über dieSeelenkräfte, oder die Kloster-Mystik gedichtethat, könne» wir eher entbehren.