38 Bon der Gabe der Sprachen
Sinnesarten zu erforschen, das Gesetz Gottesin allen Dialekten und Auslegungsartcn zu durch-wandcln. Wer einen neuen geistigen Sinn, eineneue Auslegung und Anwendung fand; sprach ineiner neuen Zunge. Wer eine fremde Ausle-gungsart hervorbrachte, sprach in einer fremdenSprache. Dies waren gewöhnliche Ausdrücke ih-rer heiligen Grammatik und Rhetorik. *)
i3.
Und die Sache selbst war das Studium ihrerWeifen, der Wettkampf ihrer Lehrer und Schüler.,,Um fremde Sprachen bekümmert sich unsre Nationnicht, sagt Jofephus: sie sind ihr sogar verächtlich.Aber das Gesetz bündig zu verstehen, und die Kraftder heiligen Schriften auszulegen, das war dieWeisheit und Literatur der Juden, das war ihreheilige Uebung," E>n Schriftgelehrtcr also, der dasganze Gesetz in allen seinen Anwendungenund Auslcgungsarten kannte, hieß mit demgewöhnlichen Ehrennamen ein Mann der sie-be nzig Zungen, wenn er gleich kein Wort einerfremden Sprache verstand oder verstehen durfte. **)
*) Es ist nothwendig, daß wir in diesem Allem nichtunseren, sondern dem Sprachgebrauch und demGeschmack der Ebraer folgen müssen. Am fleißig-sten hat von ihren Auslegungsregeln unter denUnfern Wahner (aurigg. Lllraeor. Vol. I. p.ZZZl, Struve (ruäirnentn logicae Lkrssor.llen. 1697.) so auch Schöttgen hie und da ge-handelt.
*') Hierüber führe ich statt Allem eine kleine Differ-