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Religion und Theologie Theil 10 (1829) Briefe, das Studium der Theologie betreffend ; 2
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343
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Man hats einem rechtschaffnen Manne unsrerZeit so äußerst verdacht, daß er nach Wunder- undProphctengaben lehre — und irre ich nicht, so habeich nie gefunden, daß er sie in dem ketzerischen, an-maßenden, zur Schwärmerei aufregenden Tone, alsseine Spötter ihm Schuld geben, gelchrel hätte:vielmehr gerade das Gegcntheil Alles dessen! daß csnicht an der allvermögenden und sich allezeit undallmittheilenden Gnade Gottes, sondern an unsererzitternden, wegzitternden Hand, an unserm durch-löcherten Gefäße, das sie nicht aufzunehmen ver-mag , an unsrer zerrißnen, tief im Schlamm er-trunknen Menschheit liege, die also auf jener Got-teshöhe auch jenes reine Gotteslicht nicht umstrah-len könne! Auf jener Gotteshöhe, siche! kannnoch immer Tag Gottes lächeln! der Genius desAufgangs mit einigen Strahlen an seinen Flügelnund Bruderliebe im Antlitz kann immer stehn unddahin winken (mich dünkt, die Bücher derSchrift sind mehr als der Genius!) und wir unsdemohngeachtet noch immer ruhig im Moraste, fernvon der Höhe, umherwälzen — mich dünkt, daskann ja Alles so leicht nebeneinander gesche-hen , und ist so sehr in der Ordnung: weiter hatauch jener nur winkende Genius, so lang csGott nicht anders will, auch Nichts Macht zuthun.

Und ob und wenn Gott ein Andres wolle?Ob er unserm Zeitalter die Wundcrgaben am nö-thigsten und unentbehrlich sinke? Ob alles, wasrings um uns ist, und dessen sich Gott in jedemZeitalter doch als Acker zur Saat bedient hat,