an Theophron. 269
lichcn Kirchen-, wie mit der gelehrten und politi-schen Geschichte: das Haupt gilt uns für den Kör-per, Gedankenreihe einzelner Menschenfür den herrschenden ganzen Zustand.
Erinnern Sie sich also, m. Fr., woran ichSie sonst schon erinnert habe: wenn Sie mit demallgemeinen Anblick der christlichen Kirchengeschichtein dem Autor, über den Sie gehört oder an denSie sich gewöhnt haben, fertig sind, so machenSie sich an die Einsicht der Geschichte einzelnerPartheicn, Kirchen, Sekten, Lander,oder auch Wissensch asten und Lehrformcn:durch das Besondre gewinnen Sie am meisten.Eine Geschichte der Dogmatik z. E. zusammenhän-gend und philosophisch geschrieben, wie ausklarend,bessernd und angenehm ist sic? Sie zeigt die Ver-änderungen der Lehre nach dem Gange und Fort-gänge der Zeit, den Wachsthum und die Abnahmedes Lichts und der Wahrheit. Sie giebt uns alsoKriterien von beiden, zeigt Eine Lehre in vielenMeinungen, vielen Gestalten, macht also unpar-teiisch, kühl, tolerant, und lehrt uns Gott fürdie Zunahme des wahren Lichts, der wahren Ein-falt und Seelenfreiheit von Herzen und praktischdanken. — Hatten wir nur eine solche Geschichteder Dogmatik! Es haben schon mehrere gewünscht,daß Semler seine zerstreuten, theils Vorreden,theils Anmerkungen von der Geschichte der Glau-benslehren , nur etwas bestimmter und deutlichergeordnet, zusammen drucken ließe. — Eine Geschichteder mystischen Theologie haben Poirct
R 2