an Theophron. 22g
der Tbat selbst entsprechen: der Ausdruck richtet sichjedesmal nach der Innern Empfindung. Da nundie Sitten aller Nationen oder auch die SittenEiner Nation in vcrschiednin Zeitaltern einandernicht gleich scyn können: so wäre eS ungereimt,von den furchtsamen Hirtenvätern blutige Kriegs-liedcr, und von einem umhcrirrendcn, verwildertenWolke Gesänge des Hofs zu fordern. Zeiten desKriegs bringen andre Gesänge hervor als Zeiten desFriedens; und der Gesang der Heldin Deborah kannnicht klingen wie der 23stc Psalm, oder wie dasHohelied SalomoniS.
2) Noch behutsamer muß man scyn, alte Na-tionen über ihren Grad deS Wohlstandes undder gemeinen Moral nicht nach unsrer Zeitzu richten: denn sie haben ja nicht zu unsrer Zeitgelcbet und beides sind die feinsten Blüthen undResultate von den Verhältnissen der Zeitumstände.Griechen und Römer haben so viel Unanständiges,als es die Ebraer nicht haben; bei ihnen legt manSzurecht und verhüllets, hier deckt maus auf undvcrspotteks. Wer von einem morgcnlandifchcn Volkedie Sitten des Abendlandes, und von Amos demKuhhirten oder von Ezechiel in der Gefangenschaftdie Feinheit an Ausdruck fordern will, die in derGeschichte der Urwelt oder in den SalomonischenSchriften, zumal im Hohenliedc herrschet, der weißnicht, was er fordert. Die Schriften waren nichtaus der Zeit, von dem Volk, von den B.rfassern,wenn sie sich alle gleich oder allefammt wie dasüussahcn, was wir jährlich zur Messe tragen.
3 ) Ueberall also muß man auf individuelle