84
Briefe,
müßte also zuerst die besten aus allen Provinzen,selbst ohne den Unterschied der protestantischen Reli-gionen , niit ihren Melodien, alt und neu samm-len, und dies wäre die Grundlage eines gutenGesangbuchs für Deutschland. Die schlechten müß-ten, obngeachtet des Namens und Standes ihrerVerfasser, weg- und auch aus den guten müßtenschlechte Verse wegbleiben, denn viele sind überdemzu lang, und das Schlechte weglassen ist besser,als schlecht verändern. Selbst bei P. Gerhards,Speners, Franke, Scrivcrs, Freiling-hausens u. a. Liedern Ware dies zuweilen nöthig;noch mehr bei Angelus, Nists, HeermannS,Hermanns u. a. Aus den Neuern müßten nurdie hinzugethan werden, die sangbar und für dieGemeine verständlich; nicht aber die blos gereimteAbstractionen oder poetische Tiradcn sind. AlleAenderungen müßten nur dahin abzwecken, daß dasAnstössige weggethan, nicht aber dem Verfasserseine Farbe genommen, noch weniger das Lied inunsre Gcdankcnweise umgeschmolzen werde. Einigeder neuen Verbesserer scheinen sich dies strenge Ge-setz vorgesetzt zu haben; ob cs überall glücklich be-folgt sey? ist eine andre Frage. Kurz, einem prak-tischen Theologen ist's nöthig, daß er die bestenalten und die besten, oder bestveränderten neuenLieder kenne; die Gegeneinanderhaltung beider istein großes Studium der Sprache und Empsindungs-art über geistliche Gegenstände und die eindrücklich-sten Materien der Predigt.
Was die Kirchenmusik anbetrifft, so haben wirohne Zweifel bessere und mehr bessere Kirchenstücke