d«< Studium der Theologie betr. ej5
gar schreiben: je besser ihnen erzählt und zu ge.sprachen wird, je reiner sie diese erste guteForm in Ohr und Seele fassen, desto schöner wirdihre Denkart und Sprache werden. Wer hier im-mer Fenclons zu Bildnern der ersten Jugend hätte!Auf dies Hören folgt Na ch e rz a l, len, freieS e l b s tä u ß e r u n g und W i e d e r h o l u n g. Hierbemerkt man bald den Umriß der Form, derin der Seele des Kindes und Jünglings liegt, derman also dadurch zu Hülfe kommen muß, daßman die Aufmerksamkeit hie oder dahin lenket. AufsErzählen folgt das Lesen, dies so wie jenes. DasWorlesen geht vor dem eignen Lesen, daslaute vor dem stillen Lesen lange vorher undEins wird aus dem andern nur langsam. Je besser'hier gewählt wird, je mehr auch die Stimmeund der Wohlklang des Vorlesenden ins Ohr fließt:desto mehr bildet sich das Nach erzählen, das 'Nach sch reiben, das eigne Schreiben selbst imPerioden und in der Form der Rede. Es giebtSchriftsteller, deren Perioden ich nicht ertragen,nicht vorlesen kann und für Geld nicht auswendiglernen möchte; cs giebt andre, wo Form und In-halt aus meiner Seele genommen scheinen, alsoauch gleichsam unmittelbar in mich fliesten und dasSaitenspiel meiner Gedanken regen. Die erstenlesbaren Schriftsteller einer Nation haben auf dieganze Denk - und Schreibart derselben Einfluß;jede neue Mode des Geschmacks kann ihn überspü-len, schwer aber wegthun. Die Schreibart undGedankenreihc jedes selbstdenkendcn neuen Schrift-stellers hat auf einen Kreis seiner Leser und HörerEinfluß. Es hat Einfluß, ob viel gehört und