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Briefe,
mein bester und christlicher Rath, daß man auSder Quelle Wasser schöpfe, d. i. die Bibel fleißiglese und treibe. Da liegts an einem guten Predi-ger, daß er könne eine Sache für sich nehmen undkurz, mit zweien, dreien Worten fassen und schliesssen; darnach, wo es noth ist, auch ausstreichen underklären mit Sprüchen und Epempeln, daß auseiner Blume eine ganze Wiese werde.Gleichwie ein Goldschmied einerlei Stück Silbersdicht und dick über einander in einen Klumpen schla»gen und wiederum breit, kraus und zu dünnemBlech schlagen kann, daß es beide eine lange undkurze Predigt und doch einerlei und nicht widerwär-tig sey: denn Gottes Wort soll reichlich bei unSwohnen, daß man der Schrift gewaltig sey. Sonstkommts endlich dahin, daß ein jeder predigt, waser will, und statt des Evangelii und seiner Ausle-gung wiederum von blauen Enten wirdgepredigt werden.
Ach, sie wollen nun alle nach Dialcctik undRhetorik predigen, machens also kraus und bunt,daß weder das Volk, noch sie selbst etwas davonverstehen. Einfältig zu predigen, ist eine großeKunst. Christus thuks selber: er redet allein vonAckerwcrk, vom Senfkorn und braucht eitel gemeineGleichnisse. Wer feine Gleichnis in Predigten her-fürbringcn kann, solches behalt der gemeine Mann.Der beste Prediger ist der, von dem man kannsagen, wenn man ihn gehört hat, dashat er gesagt; wenn er gleich nicht viel Sprücheführet und anzeucht, wenns nur recht ist, daß erpredigt und dem Glauben gemäß.