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Religion und Theologie Theil 10 (1829) Briefe, das Studium der Theologie betreffend ; 2
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das Studium der Theologie bctr. 23

überhaupt tausend Gesichtspunkte, wenn die kalte,scholastische Abstrackion nur Einen oder gar keinenhat. Die Morgenröthe jedes Morgens gehet unsja mit neuer Huld auf und jede Abendsonne mitneuer Schönheit unter: jeder Frühling, jede wie.derkvmmende Jahrszeit hat ihre neuen, unerschöpf-lichen Reize. So ist's mit allen lebendigen Gegen-ständen der Natur, fo ist's mit allen Situationender Bibel. Sie verjüngen sich für uns und wirverjüngen uns mit ihnen. Mich dünkt, man dürfe,inan könne k.ine zwo Predigten über ein Evange-lium halten, die in vcrschiednen Jahren sich völliggleich sei-n dörfien, gleich sey» könnten: denn wirschwimmen ja immer im Strom der Zeit weiter,unsre Aussicht, unsre Beherzigung wird also an-dcrs. Oder wcnn's wäre, wenn man sich fürdem Einerlei fürchtete: ei welche Menge von Go-sch i ch t c n, Parabeln, Sprüchen, Situa-tionen, liegt außer, liegt oft dicht am Text dar,die man mit ihm in Verhältnis stellen, in Verbin-dung ziehen und dadurch sich und seinen Vortragerneuen, und beleben darf! Wer, als ein Tanta-lus , wollte in diesem Strom dürsten? Und da inder Bibel wiederum so viele und vielerlei Denkartenvon Personen, Büchern, Zeiten sind undman diesen ganzen Garten voll Blumen und Früchtevor sich, zu seinem Gebrauch frei, ja zur Benutz-ung des ganzen Gartens sich verbindlich ge-macht hat: können cs uns die Himmlischen undIrdischen vergeben, daß wir statt alle dessen Spin,negewcb theilen, fremde falschglanzcndc Rhetorikoder enge Scholastik predigen und damit die Weltemfchläfern? Wo bleibt das Woxc Gottes, das