dcr Geschichte der Menschheit. 296
Die Wissenschaft der Rechte endlich,diese praktische Philosophie des Gefühls der Billig-keit und des gesunden Verstandes, hat, da sie mitneuem Licht zu scheinen anfing, mehr als Mystik undSpekulation zum Wohl Europa's beygetragen unddie Rechte der Gesellschaft fester gegründet. Zn Zei-ten ehrlicher Einfalt bedarf man vieler geschriebenenGesetze nicht, und die rohen deutschen Volker strau-beren sich mit Recht gegen die Spitzfindigkeit römi-scher Sachführer; in Landern andrer policirten, zum- Theil verdorbenen Völker wurden ihnen nicht nureigne gcschriebne Gesetze, sondern bald auch ein Aus-zug des römischen Rechts unentbehrlich. Und da die-ser gegen eine fortgchende, mit jedem Jahrhundertwachsende päpstliche Gesetzgebung zuletzt nicht hin-reichte, so war es gut, daß man auch das ganzeCorpus der römischen Rechte hervorzog, damit sich derVerstand und das Urthcil erklärender und thatigerMänner an ihnen übte. Nickt ohne Ursach em-pfahlen die Kaiser dies Studium ihren zumalItalienischen hohen Schulen: denn ihnen wards eineRüstkammer gegen den Papst; auch hatten alle ent-stehende Frepstädte dasselbe Interesse, es gegen Papst,Kaiser und ihre kleinen Tyrannen zu gebrauchen. Un-glaublich also vermehret«: sich die Zahl der Rechtsge-lchrtcn: sie waren, als gelehrte Ritter, als Verfechtepdcr Frcyheit und des Eigenthums dcr Völker an Hö-fen, in Städten und auf Lehrstühlen im höchsten An-sehen, und das vielbesuchte Bologna ward durch siedie gelehrte Stadt. Was Frankreich in der Scho-
zumal dcr mittleren Zeit, in reinem philosophi»'sehen Sinne geschrieben.