der Geschichte der Menschheit. 261
welchen Tugenden des Ritters Kopf und Herz von Be-griffen und Pflichten frey bleiben durfte. Die nie-der!! Stände waren nicht seines Gleichen; was derGelehrte, der Künstler und Wcrkmann lernte, durfteer als dienender und ausgelccnkcr Reuter verachten.
Offenbar ists, daß dies Kriegshandwerk zu ei-ner frechen Barbarey ausarten mußte, sobald es inein erbliches Recht überging, und der gestrenge, festeRitter von der Wiege an ein edelgcborncr Junkerwar; cinsehenden Fürsten, die ein dergleichen müßi-ges Gefolg an ihren Hofen nährten, lag alsoselbst daran, diesen Beruf einigermaßen zu kulti-viren, ihm einige Ideen auszuopsern, und zurSicherheit ihres eigenen Hofes, Geschlechts undLandes die edlen Buben Sitte zu lehren. Daherkamen die härteren Gesetze, mit welchen jede Nie-derträchtigkeit Key ihncn verpönt ward; daher die ed-leren Pflichten des Schutzes der Unterdrückten, derBeschirmung jungfräulicher Unschuld, des Edelmuthsgegen Feinde u. f, durch welche man ihren Ge-waltthätigkciten zuvorkommen, ihren harten und ro-hen Sinn mildern wollte. Auf treue Gc-müthermachten diese Ordensregeln, die ihncn von Jugendauf cingcprägt wurden, einen festen Eindruck; mauerstaunt vor der Biederkeit und Treue, die jene edleRitter in Worten und Werken fast mechanisch äus-sern. Biegsamkeit des Charakters, Vielseitigkeit derAnsicht einer Sache, Fülle der Gedanken ist nichtihr Fehler; daher auch die Sprache des Mittelaltersso Eercmonicnreich, fest und förmlich daher tritt,daß sie sich in einem ehernen Panzer um zwey oderdrcy G.dankcn, gleichsam selbst ritterlich, zu bewe-gen scheinet.