i36 Ideen zur Philosophie
schofe eines Grafen Vorrechte haben; das weltlicheHerzogthum schlug sich also zu Einem ErzbischöflichenSprengel, die Bischöfe untergeordneter Städte zu Suf-sraganeen eines geistlichen Herzogs zusammen. Diereichgewordenen Aebbte, als geistliche Barone, suchtender Gerichtsbarkeit ihrer Bischöfe zu entkommen undunmittelbar zu werden. Der Bischof zu Rom, derauf diese Weise ein geistlicher Kaiser oder König ward,verlieh diese Unmittelbarkeit gern, und arbeitete denGrundsätzen vor, die nachher der falsche Isidor fürdie gcsammte christ-katholische Kirche öffentlich auf-stellte. Die vielen Festtage, Andachten, Messen undAemter erforderten eine Menge geistlicher Diener ; dieerlangten Schatze und Kleider der Kirche, die imGeschmack der Barbaren waren, wollten ihren Schatz-bewahrer, die Patrimonien ihre Rectores haben; wel-ches alles zuletzt auf einen geist- und weltlichen Schutz-herrn , d. i. auf einen Papst und Kaiser hinauslief,alfo daß Staat und Kirche eine wetteifernde Lehn-verfassung wurden. Der Fall des longobardischenReichs ward die Geburt des Papstes und mit ihmeines neuen Kaisers, der damit der ganzen Verfas-sung Europa's eine neue Gestalt gab. Denn nichtEroberungen allein verändern die Welt, sondern viel-mehr noch neue Ansichten der Dinge, Ordnungen,Gesetze und Rechte.