der Geschichte der Menschheit. 23 t
finden wir denn nichts auf demselben, das der ge?m.in'chaftliche Besitz und Vorzug unsres Bruderge-schlechts sei? Nichts als die Anlaae zur Ver-nunft, Humanität und Religion, derdrei Grazien des mcnfchlichen Lebens. Alle Staatenencstanden spat und noch später entstanden in ihnenWissenschaften und Künste; aber Familien sind dasewige Werk der Natur, die sortgehende Haushal-tung , in der sie den Samen der Humanität demMenschengeschlecht einpflanzet und selbst erziehet.Sprachen wechseln mit jedem Volk in jedem Klima;in allen Sprachen aber ist Ein' und dieselbe Merk-mal - suchende Menschenvernunft kennbar. Religionendlich, so verschieden ihre Hülle sei; auch unterdem ärmsten, rohesten Volk am Rande der Erdefinden sich ihre Spuren. Der Grönländer undKamtschadale, der Feuerlander und Papu hat Acu-ßerungen von ihr, wie seine Sagen oder Gebräuchezeigen; ja gäbe cs unter den Anziken oder denverdrängten Waldmenschen der Indischen Inselnirgend ein Volk, das ganz ohne Religion wäre;so wäre selbst dieser Mangel von ihrem äußerst ver-wilderten Zustande Zeuge.
Woher kam nun Religion diesen Völkern? Hatjeder Elende sich seinen Gottesdienst etwa wie einenatürliche Theologie erfunden? Diese Mühseligenerfinden nichts; sie folgen in allem der Traditionihrer Väter. Auch gab ihnen von außen zu dieserErfindung nichts Anlaß: denn wenn sie Pfeil undBogen, Angel und Kleid den Thieren oder der Na-tur ablernten; welchem Thier, welchem Naturge-genstande sahen sie Religion ab? von welchem dcr-