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Zur Philosophie und Geschichte Theil 4 (1820) Ideen ; 2
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224 Ideen zur Philosophie

wird, wie die Beschaffenheit eines und desselben Volksunter seinen mancherlei Regierungsarten zeiget. Dasedelste Volk verliert unter dem Joch des Despotis-mus in kurzer Zeit seinen Adel: das Mark in sei-nen Gebeinen wird ihm zertreten und da seine fein-sten und schönsten Gaben zur Lüge und zum Betrug,zur kriechenden Sklaverei und Ueppigkeit gcmißbrauchtwerden; was Wunder, daß es sich endlich an seinJoch gewöhnet, es küßet und mit Blumen umwindet?So bcwcinenswcrlh dies Schicksal der Menschen imLeben und in der Geschichte ist, weil es beinah keineNation gicbt, die ohne das Wunder einer völligenPalingencsie aus dem Abgründe einer gewohnten Skla-verei je wieder aufgestandcn wäre: so ist offenbardies Elend nicht das Werk der Natur, sondern derMenschen. Die Natur leitete das Band der Gesell-schaft nur bis auf Familie»; weiterhin ließ sie un-seren Geschlecht die Freiheit, wie es sich einrichte»,wie cs das feinste Werk seiner Kunst, den Staatbauen wollte. Richteten sich die Menschen gut ein:so hatten sies gut; wählten oder duldeten sie Tyran-nei und üble Regierungsformen: so mochten sie ihreLast tragen. Die gute Mutter konnte nichts thun,als sie durch Vernunft, durch Tradition der Geschich-te oder endlich durch das eigne Gefühl des Schmer-zes und Elendes lehren. Nur also die innere Ent-artung des Menschengeschlechts hat den Lastern undEntartungen menschlicher Regierung Raum gegeben:denn theilet sich im untcrdrückendsten Despotismusnicht immer der Sklave mit seinem Herrn im glau-be und ist nicht immer der Despot der ärgsteSklave?

Aber