der Geschichte der Menschheit. 207
chcn vermischt worden: so hasste sich dennoch we-
sentlich, und selbst der Grammatik nach, von Ott-srieds Zeiten her verändert. Die Gegencinandcrstel-lung verschicdner cultivirter Sprachen mit den ver-schicdnen Revolutionen ihrer Völker würde mit je-dem Strich von Licht und Schatten gleichsam einwandelbares Gemahlde der mannigfaltigen Fortbil-dung des menschlichen Geistes zeigen, der, wie ichglaube, seinen verschiednen Mundarten nach noch inallen seinen Zeitaltern auf der Erde blühet. Da sindNationen in der Kindheit, der Jugend, dem männ-lichen und hohen Alter unsres Geschlechts; ja wiemanche Völker und Sprachen sind durch Einimpfungandrer oder wie aus der Asche entstanden!
Endlich die Tradition der Traditionen, dieSchrift. Wenn Sprache das Mittel dermensc h-lichen Bildung unsres Geschlechts ist, so ist Schriftdas Mittel der gelehrten Bildung. Alle Natio-nen, die außer dem Wege dieser künstlichen Tradi-tion lagen, sind nach unfern Begriffen uncultivirlgeblieben; die daran auch nur unvollkommen Theil-nahmen, erhoben sich zu einer Verewigung der Ver-nunft und der Gesetze in Schristzügen. Der Sterb-liche, der dies Mittel, den flüchtigen Geist nichtnur in Worte sondern in Buchstaben zu fesseln, er-fand ; er wirkte als ein Gott unter den Menschen *).
Aber was bei der Sprache sichtbar war, isthier noch vielmehr sichtbar, nämlich, daß auch dies
) Die Geschichte dieser und andrer Erfindungen,sofern sie zum Gemahlde der Menschheit gehört,wird der Verfolg geben.