Neuntes Buch
i.
So gern der Mensch alles aus sich selbst her-vorzubringen wähnet; so sehr hangeter doch in der Entwicklung seinerFähigkeiten von andern ab.
^4>icht nur Philosophen haben die menschliche Ver-nunft, als unabhängig von Sinnen und Organen,zu einer ihm ursprünglichen, reinen Potenz erhoben;sondern auch der sinnliche Mensch wähnet im Traumseines Lebens, er sei alles, was er ist, durch sich selbstworden. Erklärlich ist dieser Wahn, zumal bei demsinnlichen Menschen. Das Gefühl der Sclbstihatig-keit, das ihm der Schöpfer gegeben' hat, regt ihn zuHandlungen auf und belohnt ihn mit dem süßestenLohn einer selbstvollendetcn Handlung. Die Jahreseiner Kindheit sind vergessen: die Keime, die er da-rinn empfing, ja die er noch täglich empfängt, schlum-mern in seiner Seele: er flehet und genießt nur denentsproßten Stamm und freut sich seines lebendigenWuchses, seiner Früchletragcnden Zweige. Der Phi-