der Geschichte der Menschheit. 173
Glückseligkeit, Bestimmung und Genuß des Lebens;könnte es auch einen andern, einen sanftem unddaurendcrn geben?
2. Wir rühmen uns unsrer feinen Scelcn-kräfte: lasset uns aber aus der traurigen Erfahrunglernen, daß nicht jede entwickelte Feinheit Glückselig-keit gewahre, ja daß manches zu feine Werkzeugeben dadurch untüchtig zum Gebrauch werde. DieSpeculation z.E. kann das Vergnügen nur weniger,müßiger Menschen seyn und auch ihnen ist sie oft,wie der Genuß des Opium in den Morgenlandern,ein entkräftend-verzcrrendcs, einschläferndes Traum-vergnügen. Der wachende, gesunde Gebrauch derSinne, lhatiger Verstand in wirklichen Fällen desLebens, muntere Aufmerksamkeit mit reger Erinne-rung , mit schnellem Entschluß, mit glücklicher Wir-kung begleitet; sie allein sind das, was wir Ge-'genwart des Geistes, innere Lebenskraft nennen, diesich also auch mit dem Gefühl einer gegenwärtigenwirksamen Kraft, mit Glückseligkeit und Freudeselbst belohnet. Glaubet cs nicht, ihr Menschen,daß eine unzcitige, maaslose Verfeinerung oderAusbildung Glückseligkeit sei oder daß k>ie todte No-menklatur aller Wissenschaften, der ftiltanzerischeGebrauch aller Künste einem lebendigen Wesen dieWissenschaft des Lebens gewähren könne: denn Ge-fühl der Glückseligkeit erwirbt sich nicht durch dasRecept auswendiggelernter Namen oder gelernterKünste. Ein mit Kenntnissen übersülleter Kopf undwenn cs auch goldene Kenntnisse wären; er er-drücket den Leib, verenget die Brust, verdunkeltden Blick und wird dem, der ihn tragt, eine krankeLast des Lebens. Je mebr wir verfeinernd unsre