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12 (1853) Der Wildtöter : eine Erzählung
Entstehung
Seite
688
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herabsinkend, klar und vernehmlich blieb. Als aber ihre Schwesterdiese Frage an sic that, ergoß sich eine Röthe über das Angesichtdes sterbenden Mädchens, so zart jedoch, daß sie kaum wahrnehm-bar war, mehr jenem Rosenfarb ähnlich, das man für dasSymbol der Bescheidenheit nimmt, als der Glnt dieser Blnmc inihrer üppigeren Blüthc. Niemand anßer Judith bemerkte dies;Zeichen eines inner» Gefühls eine der leisen Offenbarungenweiblicher Erregbarkeit noch in der Nähe des Todes. Ihr aberblieb cs nicht verborgen, »nd sie verhehlte sich auch den Grunddavon nicht.

Hnrry ist hier, liebste Hetty," flüsterte die Schwester, undbeugte sich so nahe über das Gesicht der Leidenden hin, daß keinanderes Ohr die Worte vernahm.Soll ich ihm sagen, daß erherantrete und deine Segenswünsche empfange?"

Ein leiser Druck der Hand beantwortete die Frage bejahend,und jetzt ward Hnrry an das Lager geführt. Vermnthlich hattesich dieser hübsche aber rohe Waldmann noch nie zuvor in einerso peinlichen Lage befunden, obwohl die Neigung, welche Hettyfür ihn fühlte (eine Art geheime Nachgiebigkeit gegen die In-stinkte der Natur mehr als ein nngezicmenver Trieb einer unge-ordneten Einbildungskraft), zu rein und zurückhaltend war, als daßdie geringste Ähnnng davon in seiner Seele geweckt worden wäre.Er ließ Indmj seine harte, kolossale Hand in Hetty's Händelegen, und stand in verlegenem Stillschweigen, des Ergebnissesharrend da.

Das ist Hnrry, Thcnerste," flüsterte Judith, sich über ihreSchwester beugend, sich schämend, die Worte nur so laut anszn-sprechen, daß sie selbst es hörte;sprich zu ihm und entlaß ihn dann."

Was soll ich ihm sagen, Judith?"

Ha, was dir immer dein reiner Geist eingibt, meine Liebe!Vertraue dem, so brauchst du Nichts zn fürchten."

Lebt wohl, Hnrry," flüsterte das Mädchen und drückte sanft