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ungewöhnliches Bewußtsein dieses Umstands. Wenn das ErsteMinim ist, so bessert das Zweite die Sache in keiner Weise,was Wohlfahrt und Seelenfrieden betrifft."
Wie lange der junge Mann in seiner einfachen und arglosen,aber wohlgemeinten Weise nocss fortgesahrcn haben würde, istschwer zu sage», wäre er nicht dadurch unterbrochen worden,daß seine Znhörerin in Thräncn ansbrach, und sich einer Gcfühlö-anfwallnng hingab, die nur »m so gewaltsamer war, mit je größe-rer Anstrengung sie sie bisher unterdrückt hatte. Zuerst war ihrSchluchzen so heftig und unbändig, daß Wildtödter nicht wenigerschrak, und voll Rene ward von dem Augenblick an, wo er be-merkte, wie viel größer die Wirkung seiner Worte war, als ererwartet hatte. Selbst strenge und in ihren Anmnthnngen weit-gehende Menschen werden gewöhnlich begütigt und befriedigt durchdie Zeichen der Zerknirschung, aber Wildtödters Gcmüth bedurftegar keiner so starken Beweise von Rührung, um zum lebhaftenMitgefühl der Betrübnis; des Mädchens gestimmt zu werden. Erstand auf, als hätte ihn eine Natter gestochen, und die Töne derMutter, die ihr Kind tröstet, sind kaum sanfter und begütigender,als seine Stimme und seine Worte waren, wie er jetzt seine Nenedarüber aussprach, so weit gegangen zu sein.
„Es war gut gemeint, Judith," sagte er, „aber es war nichtdie Absicht, Euch so sehr wehe zu thun. Ich habe es mit meinemRath übertrieben, wie ich sehe; ja, ich habe es übertrieben, undich bitte Euch deßhalb dringend um Verzeihung. Freundschaft istein entsetzliches Ding! Manchmal schilt sic uns, daß wir nicht ge-nug gethan haben; und dann wieder macht sie uns Vorwürfe, daßwir zu viel gethan. Wie dem sei, ich gestehe, daß ich zu weitgegangen bin, und da ich eine wirkliche und lebhafte Achtung fürEuch habe, erkläre ich dies; mit Freuden, insofern es beweist, wieviel besser Ihr seid, als Euch meine Eitelkeit und Einbildungdafür hielt."