vergieße» zu scheu. Ich weiß, daß Thränen nicht nmbringcn, unddaß es manchen Leuten besser wird, wenn sie dann und wann einpaar vergießen, besvnders Frauen; aber ich möchte Euch doch im-mer lieber lächeln als weinen sehen, Judith."
Diese galante Rede ward belohnt mit einem süßen, obwohlmelancholischen Lächeln; und daun bat das Mädchen ihren Genossennoch einmal, die Untersuchung des Schrankes zu beendigen. DasDurchsuchen dauerte nothwendig noch einige Zeit, während welcherJudith ihre Gedanken sammelte und ihre Fassung wieder gewann.Sie nahm an der Durchsuchung keinen Antheil, überließ Allesdem jungen Mann, und beobachtete selbst gleichgültig die verschie-denen Artikel, die'znm Vorschein kamen. Es fand sich jedoch nichtsweiter von vielem Interesse oder Werth. Ein paar Degen, wiesie damals Gentlemen trugen, einige Schnallen von Silber, oderso stark plattirt, daß sie von Silber schienen, und einige wenigeschöne weibliche Kleidungsstücke waren die wichtigsten Fünde. Esfiel indessen Judith und Wildtödtern ein, daß manche von diesenDingen wohl benutzt werden könnte», eine Unterhandlung mitden Irokesen einznleiten; nur sah dabei der Letztere eine Schwie-rigkeit, die der Erster» nicht so in die Augen sprang. Das Ge-spräch ward zuerst wieder über diesen Umstand angeknüpft.
„Und mm, Wildtvdter," sagte Judith, „können wir von Euchsprechen, und von den Mitteln, Euch ans den Händen der Hn-ronen zu befreien. Ein Theil oder Alles, was Ihr in demSchrank gesehen habt, wird von mir und Hetty mit Freuden hin-gegeben, um Euch in Freiheit zu sehen."
„Nun, das ist großmüthig — ja, es ist durchaus mit freige-bigem Herzen und freigebigen Händen gehandelt und großmüthig.Das ist die Art bei Weibern, wenn sie eine Freundschaft fassen,so thnn sie Nichts halb, sondern sind so bereit, ihr Hab und Guthinzugeben, als hätte es gar keinen Werth in ihren Angen. In-dessen, so sehr ich euch Beiden danke, gerade wie wenn der HandelDer Wildtödter. 34