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eine entfernte Tochter, mit solchen Hindentnngen ans die Antworten,welche großen Theils die Lücke der fehlenden Erwiederungen ans-zufüllen dienten. Sie waren jedoch nicht ohne Ermahnungen undWarnungen, und Judith fühlte sich das Blut in die Schläfe stei-ge», und dann einen kalten Schauer, als sie einen Brief las,worin die Schicklichkeit davon, daß die Tochter sich einem so innigenund vertraulichen Verhältniß, wie diese selbst cs in einem ihrerBriefe mußte geschildert haben, mit einem Offiziere hingab, ,dervon Europa kam, und von dem kaum anzunehmen war, daß er inAmerika eine ehrenhafte Verbindung zu schließen gesonnen sei',in ziemlich kaltem Tone von der Mutter erörtert wurde. Ein selt-samer Umstand war, daß die Unterschriften bei allen diesen Briefensorgfältig weggeschnitten, und so oft ein Name im Brief selbstvorkam, dieser mit solcher Pünktlichkeit heransradirt war, daß manihn unmöglich lesen konnte. Sie waren alle in Couverts einge-schlofsen gewesen, der Sitte jener Zeit gemäß, und es fand sichauch nicht Eine Adresse. Doch waren die Briefe selbst mit gewis-senhafter Sorgfalt aufbewahrt worden, und Judith glaubte aufeinigen Spuren von Thräneu entdecken zu kennen. Sie erinnertesich jetzt, den kleinen Koffer vor ihrer Mutter Tod in der Ver-wahrung von dieser gesehen zu haben, und sie vermuthete, er seinebst den andern vergessenen oder verheimlichten Gegenständen inder Kiste anfbewahrt worden, als die Briefe nichts mehr zumKummer oder znm Glück dieser Mutter beitragen konnten.
Da kam ein anderes Packet Briefe, und diese waren voll vonBethenrnngcn der Liebe, allerdings mit Leidenschaft geschrieben,aber auch mit jener trügerischen Ueberrednng, welcher gegenüberdem andern Geschlecht sich zu bedienen, die Männer so oft sichglauben gestatten zu dürfen. Judith hatte über das erste Packetreichliche Thräneu vergossen, aberjetzt empfand sie sich durch ein Gefühlvon Entrüstung und Stolz mehr aufrecht gehalten. Aber ihreHand zitterte, und kalte Schauer zuckten durch ihren Leib, als sie