508
„Die Hnronen müssen den Unterschied zwischen weißen Leutenund ihnen selbst nicht begreifen können," sagte sie, „sonst würdensie nicht verlangen, daß Judith und ich mit ihnen gehen und inihren Dörfern wohnen sollen. Gott hat ein Land den rothenMännern, und ein anderes uns gegeben. Er wollte, daß wirabgesondert für uns leben. Dann sagte auch Mutter immer, wirsollten wo möglich nur immer unter Christen leben, und das istein Grund, warum wir nicht gehen könne». Dieser See ist unser,und wir wollen ihn nicht verlassen. Vaters und der Mutter Gräbersind darin, und selbst die schlechtesten Indianer bleiben gern beiden Gräbern ihrer Väter. Ich will noch einmal kommen und siesehen, wenn sie das von mir verlangen, und ihnen noch mehraus der Bibel vorlesen, aber des Vaters nnd der Mutter Grabkann ich nicht verlassen."
„Das ist recht, das ist recht, Hetty, gerade so gut, als wennIhr ihnen eine zweimal so lange Botschaft schicktet," unterbrachsie der Jäger. „Ich will Ihnen Alles sagen, was Ihr gesprochenhabt nnd was Ihr meint, nnd ich stehe dafür, daß sie leicht befrie-digt sein werden. Jetzt, Judith, kommt die Reihe an Euch, nnddann ist dieser Theil meines Auftrags für heute Nacht zu Ende."
Judith zeigte ein Widerstreben, ihre Antwort zu geben, dasein wenig die Neugier des Boten rege machte. Nach ihrem be-kannten lebhaften Geist nrtheilend, hatte er nie gezweifelt, daßdas Mädchen ihren Gefühlen nnd Grundsätzen nicht minder treubleiben werde als Hist oder Hetty; nnd doch war eine merkliche,schwankende Unentschlossenheit bei ihr sichtbar, die ihm einige Un-ruhe machte. Selbst jetzt, wo er sie geradezu anfforderte, zusprechen, schien sie sich zu bedenke», nnd sie öffnete nicht eherden Mund, als bis das tiefe Schweigen ihr zeigte, mit welcherSpannung man ans ihre Worte warte. Da sprach sie zwar, aberunsicher nnd mit Widerstreben.
„Sagt mir erst — sagt uns erst, Wildtödter," begann sie,