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„Vater —" sagte Judith, in unaussprechlicher Augst und Be-trübnis' über seinen jammervollen Zustand, und um so mehr, alssie nicht wußte, welche Mittel anzuwenden wären — „Vater,können wir Etwas für Euch thnn? Kann ich und Hetty EureSchmerzen erleichtern?"
„Vater!" wiederholte langsam der alte Mann. „Nein, Ju-dith — nein, Hetty — ich bin kein Vater, Sie war eureMutter, aber ich bin kein Vater. Seht in dem Schranke nach— dort ist Alles — mehr Wasser!"
Die Mädchen erfüllten seinen Wunsch; und Judith, deren frühereErinnerungen viel weiter znrückreichten, als die ihrer Schwester,und die in jeder Hinsicht viel deutlichere Eindrücke von der Ver-gangenheit hatte, empfand, als sie jene Worte vernahm, eine nichtzu unterdrückende Anwandlung von Freude. Es hatte nie vielSympathie zwischen ihrem vermeintlichen Vater und ihr geherrscht,und eine Vermnthnng eben dieser Wahrheit hatte oft ihre Seeledurchzuckt in Folge von Gesprächen zwischen Hutter und ihrerMutter, die sie belauscht hatte. Vielleicht ginge es zu weit, wennman sagte, sie habe ihn nie geliebt, aber das darf man keck behaup-ten, sie habe sich gefreut, daß es nicht mehr ihre Pflicht war.Hetty's Empfindungen waren anders. Unfähig, alle die Unterschei-dungen zu machen, wie ihre Schwester, war sie ihrer ganzen Naturnach voll Zärtlichkeit, und sie hatte ihren vermeintlichen Vatergeliebt, obwohl viel weniger zärtlich als ihre wirkliche Mutter;und es betrübte sie jetzt, von ihm die Erklärung zu hören, daß ernicht durch natürliche Bande zu dieser Liebe berechtigt war. Siefühlte einen doppelten Schmerz, als ob sein Tod und seine Wortezusammen sie doppelt des Vaters beraubten. Ihren Gefühlennachgebend, trat das arme Mädchen beiseite und weinte.
Die entgegengesetzten Gemüthsbewegnngen der beiden Mädchenmachten Beide lange Zeit stumm. Judith reichte dem Leidendenoft Wasser, aber sie enthielt sich, mit Fragen in ihn zn dringen,
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