Druckschrift 
12 (1853) Der Wildtöter : eine Erzählung
Entstehung
Seite
408
Einzelbild herunterladen
 

408

aufgüig, als mit den verrückenden Slnnden die Nacht zum Morgensich verwandelte. Es waren die gewöhnlichen, weichen Tinten desHimmels, an dem weder die Dunkelheit der Nacht noch der Glanzder Sonne herrscht, und bei welchen die Gegenstände wenigerirdisch, wir möchten sagen heiliger erscheinen, als je sonst währendder viernndzwanzig Stunden des Tages. Die schöne und wvhl-thnendc Ruhe der Abendzeit ist von tausend Dichtern schon gepriesenworden, und noch führt sie nicht die weitreichenden und erhabenenGedanken mit sich, wie die halbe Stunde, welche dem Anfgeheneiner Sommersonne vorangeht. Dort entzieht sich das Panoramaallmählig dem Blicke, während hier die Gegenstände ans dem sichentrollenden Gemälde Hervorbrechen, zuerst dämmernd und nebel-haft, dann scharf gezeichnet auf festlichem Hintergründe, dann wirdes geschaut in dem Zauber des an Helle zunehmenden Zwie-lichts etwas vom abnehmenden so Verschiedenes, als sichnur denken läßt!und endlich ganz weich, klar »nd licht, so wiedie Strahlen des großen Lichtmiktelpunkteü sich in der Atmosphäreansbreitc». Auch die Hymnen der Vögel finden kein Gegenstückin dem Heimgang zur Stange »nd znm Schlaf, oder im Flugnach dem Nest; und diese begleiten unabänderlich den Anbruchdes Tages, bis die Erscheinung der Sonne selbst

Badet in Wonne See und Land."

Alles Dies; jedoch sahen Hutter und Hnrry an, ohne etwas vonjenem friedevollcn Entzücken zu empfinden, welches dieß Schauspieldoch gewöhnlich gewährt, wenn die Gedanken gut und recht, dieBestrebungen des Gemnthes rein sind. Sie waren nicht blosZeugen davon, sondern sie waren Zeugen davon unter Umständen,welche das Großartige nnd den zauberischen Reiz des Schauspielsnoch zu erhöhen geeignet waren. Nur ein einzelner Gegenstandwurde sichtbar bei dem znrückkehrenden Licht, der seine Form undseinen Gebrauch von menschlichem Geschmack oder Bestreben er-halten hatte, die freilich eine Landschaft eben so oft entstellen