309
„Sott ich's Euch lehren, Wildtödtcr?" fragte Hctty ernst.„Ich bin schwachsinnig, so sagen sie, aber lesen kann ich so gutwie Judith. Es kann Euch das Leben retten, wenn Ihr denWilden die Bibel vorznlesen versteht, und gewiß wird cs EureSeele retten, denn das hat mir Mutter gar oft gesagt."
„Dank Euch, Hetty, Dank Euch von ganzem Herzen. Jetztwerden wohl zu unruhige Zeiten kommen, um viel Muße zu haben;aber wenn's Friede ist, und ich wieder an diesen See komme, Euchzu besuchen, dann will ich mich dazu hergeben, und cs wird mireine Lust und ein Gewinn zugleich sein. Vielleicht sollte ich michschämen, Judith, daß cs so ist; aber Wahrheit ist Wahrheit.Was diese Irokesen belangt, so ist nicht sehr wahrscheinlich, daßsie eine Bestie mit zwei Schwänzen vergessen über einem oder zweiVersen aus derBibel. Ich vermuthe eher, sie werden die Gefangenenausliefern, und ans die eine oder andere List und Tücke sich verlassen,sie wieder in ihre Gewalt zu bekommen, und uns und Alle im Kastell,sammt der Arche in den Kauf. Indes;, wir müsse» die Vagabundenbei guter Laune erhalten, erstlich, um Euren Vater und Hnrryaus ihren Händen los zu bekommen, und dann um den Friedenzwischen uns zu erhalten, bis zu der Zeit, wo Schlange es dahinbringen kann, seine Verlobte frei zu machen. Wenn es plötzlichzu einem Ansbrnch von Zorn und Wildheit kommt, werden dieIndianer alle ihre Weiber und Kinder sofort in's Lager schicken;während wir, wenn wir sie ruhig und zntrancnsvoll erhalten, esso werden richten können, daß wir Hist an dem von ihr bezeich-neten Ort treffen. Ehe ich jetzt den Handel abbräche, würde ichwohl noch ein Halbdutzend von jenen Bogenundpfeilmännerfigurendrein geben, deren wir genug in dem Schranke haben."
Judith stimmte mit Freuden bei, denn sic hätte selbst den ge-blümten Brokat anfgeopfert, um nur ihren Vater zu befreien undWildtödter zn Gefallen.
Die Aussichten auf einen glücklichen Erfolg waren jetzt so er-