193
scharlackröckigcn Bewunderern mehr als das kurzweilige Spielzeugeiner muffigen Stunde, denn als Gleichgestellte und Freundin be-trachtet wurde. Wildtödter dagegen hatte ein Fenster vor feinerBrust, durch welches das Licht seiner Ehrlichkeit immer leuchtete;und selbst seine Gleichgültigkeit gegen Reize, die so selten ver-fehlten, einen lebhaften Eindruck z» machen, spannte den Stolzdes Mädchens, und verlieh ihm in ihren Augen ein Interesse,das ein Anderer, anscheinend mehr von der Natur begünstigt,nicht leicht erregt hätte.
In dieser Weise verstrich eine halbe Stunde, während welcherdie Arche langsam über das Wasser hinglitt, indeß das Dunkelumher immer dichter wurde; obgleich man noch wohl bemerkte, daßder schwarze Wald am südlichen Ende des See's ferner rückte,während die Berge, welche die Seiten des schonen Beckens cinfaß-ten, ihn beinahe von einer Seite zur andern überschatteten. Dochwar noch ein schmaler Streif Wasser in der Mitte des See's, wodas dämmernde Licht, das noch vom Himmel sich ergoß, ans seinenSpiegel in einer nördlich und südlich sich ausdehnenden Linie siel;und entlang diesem schwachen Streifen, — eine Art umgekehrterMilchstraße, wo die Dunkelheit nicht so dicht war als an^andernStellen — verfolgte die Fähre ihren Lauf, da ihr Steuermannwohl wußte, daß dies; die gewünschte Richtung sei. Der Leserdarf jedoch nickt glauben, es habe irgend eine Schwierigkeit, dieeinznhaltende Richtung betreffend, gewaltet. Diese wäre bestimmtworden durch die Strömung des Windes, hätte man auch nicht mehrdie Berge unterscheide» können, so wie auch durch die dämmerndeLichtung nach Süden zu, welche die Lage des Thales nach dieserSeite, ans der Ebene von großen Bäumen durch eine etwas ver-minderte Dunkelheit bezeichnetc; — der Unterschied zwischen demDunkel des Waldes und dem Dunkel der nur als Luft gesehenenNackt. Diese Eigenthümlichkeiten nahmen endlich die Aufmerk-samkeit Judiths und Wildtödters in Anspruch, und das GesprächDer Wildtödter. 13