180 II. Von der ebraisehen Elegie.
überdem zum Verstandniß auch der drei erstenStücke dieses Buchs gar nichts aus.
Die Stücke selbst sind sämtlich schön und rüh-rend , selbst wenn man keinen Nationalantheil anihnen nehmen darf. Es sind Beschreibungen inihnen, insonderheit des menschlichen und mütterli-chen Jammers/ die jedem durch Herz und Seelezehn müssen. Ich wollte ein Paar anführcn —>aber welche soll ich wählen? — Das erste sey dievierte Elegie.
Wie ist das Gold so glanzlos!
DaS ehmals lautre Gold so unrein izt!Zerstreuet liegen auf allen Straßendie Steine des Heiligthums»
Die edlen Zionssöhne, sonst
gediegnem Golde gleich;
wie sind sie jetzt geachtet gleich den Scherben,
wie Töpfers Werk j
Auch die Drachen reichen ihre Brüste
und saugen ihre Jungen;
die Tochter meines Volks muß grausam seyn
wie der Strauß der Wüste.
Des Säuglings Zunge klebt für Durstan seinem Gaum;
Die Kinder bitten um Brod,und niemand bricht es ihnen!
Die sonst wollüstig asten,verschmachten auf den Straßen jetzt;